Zuflucht und Wartesaal
2017
30 Min.
Fabian Lamster, Stefan Michel, Marie Schultz
Orte: Lafontainestraße 4 (Stolperstein Leo Schönbach), Franckestraße 12 (Julius Pfifferling, Mann von Dorothea Pfifferling), Brüderstraße 17 (Stolpersteine Max Holländer und Elvira Holländer)
Auf der Flucht vor den Nationalsozialisten ist Shanghai für viele Juden die letzte Hoffnung: Die Stadt ist zeitweise der einzige Ort, an den Menschen ohne Visum einreisen können und an dem es keine Einreisebegrenzung gibt. Im August 1939 sind 14.000 Geflüchtete in Shanghai registriert, darunter 92 Juden aus Halle. Unter ihnen ist auch der Musiker und Kapellmeister Leo Schönbach.

In Shanghai erwarten die Geflüchteten widrigste Bedingungen: Unterbringungen mit schlechtesten hygienischen Bedingungen, kaum Nahrung und isoliert von der Außenwelt. Mit jedem Tag des Pazifikkrieges verschlechtern sich die Lebensbedingungen.
„Wenn es darum geht, dass man Angst um sein Leben hat und es gibt nur einen Ort, an den man gehen kann, dann nimmt man diesen Weg.“
Kristin Janik
Judaistin (Magister Artium)
Die japanische Besatzungsmacht zwingt die Geflüchteten 1943 ins Ghetto. 1.726 Geflüchtete kommen in Shanghai zu Tode. Heute erinnern Gedenktafeln- und Steine in Shanghai an sie.
Mehr über Shanghai als Exilort

- Im Jahr 2000 veröffentlichte das Berliner Stadtmuseum einen Sammelband zur Thematik, der sechzehn deutsch- oder englischsprachige Aufsätze, u.a. über die soziale Zusammensetzung und das kulturelle Leben der Exilant:innen sowie die Beziehungen verschiedener Bevölkerungsgruppen beinhaltet.
- 16 Jahre später schrieb der Freiburger Historiker Bernd Martin den Beitrag „Shanghai als Zufluchtsort für Juden 1938 bis 1947“ für die Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte und resümiert in neun Abschnitten die „Konturen einer Zwischenstation“.
- In den letzten Jahren wurden zudem zwei Radiosendungen von Deutschlandfunk Nova (2019) und Deutschlandfunk Kultur (2023) zum Thema jüdisches Exil bzw. jüdisches Leben in Shanghai ausgestrahlt.
- 2007 wurde am Schnittpunkt von Changyang Road und Zhoushan Road im Bezirk Hongkou das Shanghai Jewish Refugee Museum gegründet, wobei die Ohel Moshe Synagoge als Kern fungiert. Während das Museum mit interaktiven und multimedialen Methoden die Geschichte der geflüchteten europäischen Juden erzählt, ist die Nachbarschaft, in der sich das Museum befindet, auch der einzige bestehende historische Ort in China, der das Leben jüdischer Geflüchteter in China während des Zweiten Weltkriegs widerspiegelt.

