Mut im Verborgenen

Die „Stillen Helden“

2021
15 Min.
Meret Aupperle, Frauke Rummel, Denise Stell, Stefanie Weiser


Ort: Hardenbergstraße 3, 06114 Halle (Saale) => Wohnort der Kochs und Leibels


Im Jahr 1934 erhalten Ernestine und Edgar Koch eine Anfrage von Bekannten, ob sie bereit wären, Käthe Leibel und ihren kleinen Sohn Jochen bei sich aufzunehmen. Zu diesem Zeitpunkt hatten Käthe und Jochen bereits mehrere Stationen bei verschiedenen Bekannten hinter sich, konnten jedoch nie dauerhaft an einem Ort bleiben. Erst nachdem der befreundete Pater Aurelius Arkenau gefälschte Ausweispapiere für sie organisiert hatte und sie ihren Namen in Russo ändern konnten, war es ihnen möglich, nach einem festen Wohnsitz zu suchen.

Ernestine und Edgar Koch. Quelle: Screenshot aus dem Film.

Die Kochs gewähren Käthe und Jochen bis zum Ende des Krieges Schutz und ermöglichen ein relativ normales Leben. Nach Kriegsende bleiben sie zusammen. Doch in der DDR wird Käthe Leibel zur Spionage gegen die Kochs gedrängt. Gemeinsam fliehen sie 1951 nach Westdeutschland. Ernestine und Edgar Kochs humanitäres Engagement fügt sich ein in das altruistische Wirken zahlreicher weiterer Helferinnen und Helfer während der Zeit des Nationalsozialismus. Diese Helfer*innen werden auch als „Stille Helden“ bezeichnet.

„‚Stille Helden‘ aus zwei Gründen: Still waren sie während der Zeit als sie agieren mussten, in der Nazizeit. Sie waren aber auch hinterher still. […] Ich würde sagen man brauchte ungewöhnlichen Mut. Man musste seine eigenen Interessen zurückstellen und sein eigenes Leben aufgeben.“

Barbara Schieb
Gedenkstätte „Stille Helden“

Im April 2019 wurde für Edgar und Ernestine Koch eine Gedanktafel in der Nähe des Marktplatzes in Halle angebracht. Anwesend waren dabei auch Jochen Leibel und seine heutige Familie, zu der es ohne Ernstine und Edgar Koch wohl nie gekommen wäre.

Mehr über „Stille Helden“

Im Buch „Sie blieben im Schatten: ein Denkmal für „stille Helden“ von Inge Deutschkron wird die Thematik der „Stillen Helden“ aus der Perspektive einer von Verfolgung betroffenen Jüdin behandelt.

Auch die Gedenkstätte Stille Helden in Berlin hat sich dem Gedenken an bekannte „Stille Helden“ zur Aufgabe gemacht.