In falscher Sicherheit

Das Leben von Bella Feuchtwanger

2021
15 Min.
Milena Giskes, Maike Grabow, Sarah-Maria Köpf


Ort: Rudolf-Breitscheidstraße 10 (ehemals Königstraße 84, Verlag Martin Feuchtwanger, heute: Gedenktafel)/ Geiststraße 1 (Wohnort von Bella in Halle und Ort des Stolpersteins)


Bella Traubkatz, geborene Feuchtwanger, wächst als sechstes von neun Kindern in München auf. Sie ist die Schwester des berühmten Schriftstellers Lion und des Verlegers Martin Feuchtwanger. Im Verlag ihres Bruders Martin in Halle wird sie Redakteurin und lebt eine Zeit lang in der Geiststraße 1. Bella interessiert sich für Musik und Kultur. Sie wird als intelligente und weltoffene Frau beschrieben.

Martin Feuchtwanger mit seiner Frau Stefanie, Sohn Klaus und Schwester Bella Feuchtwanger (1924). Zur Verfügung gestellt von der International Feuchtwanger Society. Quelle: Screenshot aus dem Film

Der zunehmende Druck veranlasst Bella, 1935 ihrem Bruder nach Prag zu folgen. Durch eine Scheinehe und den neuen Pass wägt sie sich in falscher Sicherheit vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten. 1943 wird sie nach Theresienstadt deportiert. Dort verliert sich ihre Spur.

„Abends vor dem Schlafengehen erzählt mir Tante Bella von ihrem Leben in Prag. Sie hat mir gesagt, sie sei frei, wie früher in Deutschland und könne das Leben führen, das sie will. Und dass wir uns ganz bestimmt eines Tages alle wiedersehen werden.“

aus Edgar Feuchtwanger – „Als Hitler unser Nachbar war“

Obwohl Bella Feuchtwanger Teil der Literatur- und Kulturszene in Halle war, weiß man heute nur noch wenig über sie. Seit 2013 erinnert ein Stolperstein an ihren früheren Wohnort in der Geiststraße 1. Der Film holt Bella Feuchtwanger aus der Vergessenheit und rekonstruiert ihr Leben in Halle, ihre Flucht nach Prag und ihr Streben nach einem selbstständigen Leben.

Mehr über die Familie Feuchtwanger

  • 2001 wurde die International Feuchtwanger Society gegründet, um das Leben und Werk von Lion und Marta Feuchtwanger sowie anderer deutscher Emigranten, die während und nach der Nazi-Zeit in Südkalifornien sesshaft wurden, bekannt zu machen.
  • 2014 veröffentlichte der Neffe Bella Feuchtwangers, Edgar Feuchtwanger, das Buch „Als Hitler unser Nachbar war“. Aus kindlicher Perspektive beschreibt er das Leben als Nachbar von Adolf Hitler und die Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland.
  • Heike Specht, die bereits zur Familie Feuchtwanger promovierte, publiziert in diesem Jahr eine weitere Monografie über die Feuchtwangers, diesmal speziell über die außergewöhnlichen Lebensentwürfe der Frauen der Familie: Im Mai 2024 erscheint „Die Frauen der Familie Feuchtwanger“.
  • Im digitalen Archiv der Familie Feuchtwanger findet sich außerdem eine Sammlung an Literatur und Informationen zu den einzelnen Personen.