2019
11 Min.
Marco Hennig, Robin Jüngling
Der Film „Ein weißer Fleck“ setzt sich mit dem Schicksal der Sinti, die während der NS-Diktatur in Halle lebten, auseinander. Über ihre Geschichte ist heute kaum noch etwas bekannt, denn keine Opfergruppe ist so spurlos aus der Stadt verschwunden.
Im Film kommt auch Michael Viebig von der Gedenkstätte ROTER OCHSE Halle (Saale) zu Wort. Die Initiative widmet ihre Dauerausstellungen sowie die damit verbundenen Forschungen und pädagogischen Projekte den Opfern politisch motivierter Justiz der Jahre 1933 bis 1945 und 1945 bis 1989. Sie ist seit 1996 im ehemaligen Hinrichtungsgebäude der NS-Justiz untergebracht, das vom MfS zum Vernehmergebäude umgebaut wurde. Michael Viebig ist der Leiter der Gedenkstätte und Historiker und beschäftigt sich mit den nationalsozialistischen Verbrechen in Halle. Er ist an den Prozessen zur Stolpersteinverlegung beteiligt. Geeignete Orte für Stolpersteine für Sinti und Roma in Halle zu finden, gestaltet sich in seinem Arbeitsalltag immer wieder als schwierig.
„Stolpersteine werden ja an letzten frei gewählten Wohnorten gesetzt. Aber wie soll an das denn bei einer Gruppe von Menschen gehen, bei denen es kaum frei gewählte Orte gibt. Ein Ghetto ist doch ein frei gewählter Wohnort.“
Michael Viebig, Leiter der Gedenkstätte Roter Ochse in Halle
Die Problematik rund um das würdevolle Gedenken der Sinti und Roma verdeutlicht auch das Beispiel des im Film genannten Sinti-Mausoleum in Osendorf. Es ist die letzte Ruhestätte des Pferdehändlers Josef Weinlich, einst bekannt unter seinem Sinti-Namen Nauni. Wie der MDR berichtete, gibt es von zivilgesellschaftlichen Gruppen den Wunsch, das Gebäude zu sanieren und zu einer Gedenkstätte zu machen, doch von politischer Seite fehlt der Wille.

Auch die Universitätsklinik in der Magdeburger Straße ist indirekt mit dem Leben von Sinti und Roma in Halle verbunden. Am 17. November 2016 wurde hier der erste Stolperstein in Gedenken an die Sinti und Roma in Halle gesetzt. Ab Ende der 1930er Jahre mussten dort schwangeren Sinti-Frauen aus dem Raum Halle ihre Kinder zur Welt bringen. Unter der Leitung des Professors Ludwig Nürnberger wurden bei jeder Entbindung systematisch Name, Wohnort und Beruf der Patienten sowie ihre Angehörigen erfasst. Heute sind diese Dokumente eine der wenigen historischen Quellen zu der Geschichte der Sinti und Roma in Halle.
Der Film begibt sich auf Spurensuche, um die Verfolgungsgeschichte dieser oft vergessenen Opfergruppe zu rekonstruieren und um an die Verbrechen zu erinnern, die gegen sie verübt wurden.
