2015
17 Min.
Benjamin Abicht, Daniel Heißenstein
Steine in der Stadtgesellschaft
In unmittelbarer Nähe zum hallischen Marktplatz liegen 4 Stolpersteine. Diese Steine vor der Leipziger Straße 4 gehörten zu den ersten Stolpersteinen, die Gunter Demnig im Jahr 2004 in Halle verlegt hat. Die Steine erregten damals für Aufsehen, da sie kurze Zeit später durch Unbekannte entfernt wurden. Da der Materialwert keine Motivation für diesen Akt des Vandalismus darstellt, muss von einer politisch-motivierten Straftat ausgegangen werden.

Das Stolpersteinprojekt
Gunter Demnig begann das Kunstprojekt „Stolpersteine“, um die unsichtbaren Spuren der Geschichte sichtbar zu machen. Er wolle den Menschen zeigen welche Menschen in Ihrer Nachbarschaft wohnten. Die Vertreibung durch die Nazis und die Schrecken des Faschismus sollen durch Stolpersteine in ihrer Alltäglichkeit sichtbar gemacht werden. Mit den Stolpersteinen soll all jenen gedacht werden die von den Nazis verfolgt und ermordet wurden. Von jüdischer Seite gibt es Kritik an dem symbolischen Charakter der Stolpersteine, diese werden im Alltag häufig wenig beachtet und mit den Füßen getreten.
„Es ist nicht Materialklau, weil das bisschen Blech das bringt 10 Cent im Schrott. Es ist politisch motiviert, wenn die Neonazis gedacht haben damit schaden sie, haben sie absolut das Gegenteil erreicht. Es führt dazu dass Menschen sich engagieren und es wird weitergehen.“
Gunther Demnig
Initiator des Stolpersteinprojekts
Familie Wenzymer
Sofia Wenzymer (geborene Novogrocka) lebte mit ihren Kindern Helena, Rosa und Siegfried Wenzymer im Haus in der heutigen Leipziger Straße 4. Sofia Wenzymer war mit Salomon Wenzymer verheiratet, er führte ein kleines Geschäft in Halle. Durch die Boykottaufrufe der Nazis wurde der Familie ihre Lebensgrundlage entzogen. Salomon Wenzymer wanderte 1937 nach Argentinien aus. Er plante seine Familie nachzuholen. Jedoch wurde seine Familie 1938 aus der Wohnung vertrieben und zur Ausreise nach Polen gezwungen. Der Kontakt zwischen Salomon Wenzymer und seiner Familie endet 1940 am letzten Wohnort der Familie im polnischen Mlawa.