2012
13 Min.
Inga Dauter, Doreen Hoyer, Elisabeth Schinner
Dessauer Straße 24, Standort der Trauerhalle mit Gedenktafel; Seebener Str. 11, Standort der Stolpersteine des Ehepaar Hirsch als letzter freiwillig gewählter Wohnort.
Im Jahr 1929 wird in Halle in der Boelckestraße, heute Dessauer Straße, eine Trauerhalle für den jüdischen Friedhof errichtet. Zehn Jahre später wird sie auf Anweisung der Nationalsozialisten umgebaut. Die an den Davidstern erinnernden Zacken und Rautenmuster an der Fassade verschwinden und das Gebäude erhält seine heutige Form.

Offiziell entsteht hier ein Alten- und Siechenheim. Doch in Wahrheit dient diese Einrichtung dazu, hallesche Juden an einem Ort zentral zu sammeln, um sie so schneller deportieren zu können. Bald leben die meisten halleschen Juden in der Boelckestraße 24. Bis zu ihrer Deportation müssen sie körperliche Arbeit in der Friedhofsgärtnerei oder im Straßenbau leisten.
„Die Geschichte von Isidor und Frieda Hirsch steht beispielhaft für das Schicksal vieler hallescher Juden. Die Trauerhalle sollte zur letzten Station vor ihrem Tod werden.“
aus dem Film „Das Leben in der Boelckestraße 24“
Auch das jüdische Ehepaar Isidor und Frieda Hirsch muss auf Anordnung der halleschen Verwaltung in das sogenannte „Judenhaus“ ziehen. Für das Ehepaar sollten die Wochen in dem Siechenheim die letzten sein. Nach dem zweiten Weltkrieg gerät die Geschichte der Trauerhalle und ihrer Bewohner zunehmend in Vergessenheit. Erst nach der Wende wird das Haus wieder von der jüdischen Gemeinde als Trauerhalle genutzt und in Stand gehalten.
Mehr über die jüdische Trauerhalle und das Ehepaar Hirsch
- Die im Film interviewte Susanne Meincke-Krause hat ihre Examensarbeit über die jüdische Trauerhalle verfasst.
- Eintrag von Isidor Hirsch im digitalen Gedenkbuch der Stadt Halle
- Eintrag von Frieda Hirsch im digitalen Gedenkbuch der Stadt Halle
- An der heutige Adresse der Trauerhalle, Dessauer Straße 24, befindet sich eine Gedenktafel, die an den Werdegang des Gebäudes erinnert.
- Die Stolpersteine des Ehepaars Hirsch befinden sich in der Seebener Straße 11, ihrem zuletzt freiwillig gewählten Wohnort.
