2017
9 Min.
Mathilde Kowalski, Juliane Radtke, Susanne Siegert
Rudolf-Ernst-Weise-Straße 20 in Halle => dort steht die Schloss-Villa
In der Villa des Kinderarztes Dr. Josef Schloss finden zur Zeit des Nationalsozialismus mehr als ein Dutzend Verfolgte Zuflucht. Nach den Plänen der Gestapo hätte die Villa ursprünglich ein offizielles Judenhaus werden sollen. Da es zu diesem Zeitpunkt jedoch schon genügend Judenhäuser gab, wurde dieses Vorhaben nicht weiter verfolgt. So leben nach dem Suizid des Kinderarztes im Jahr 1940 Schloss‘ Schwester Marie, sowie die Schwägerinnen Eva und Gretchen in der Familienvilla. An der heutigen Rudolf-Ernst-Weise-Straße 20 erinnern vier Stolpersteine an die Familie Schloss.

Nach ihrer Enteignung finden 1941 Minna Frankenberg und ihr Mann Nathan Frankenberg vorübergehend Heimat in der Villa Schloss. Im Jahr 1942 werden die Familie Schloss sowie Minna und Nathan Frankenberg nach Theresienstadt deportiert. Minna Frankenberg kehrt als einzige Überlebende nach Halle zurück.
Über das Leben und die Schicksale der ehemaligen Bewohner der Villa Schloss können heute nur noch wenige Zeitzeugen berichten. Eine davon ist Sigrid Gramm. Sie spendete im Jahr 2010 das Geld für den Stolperstein von Dr. Josef Schloss, der ihre Mutter und deren Schwester betreute:
„Dr. Schloss war damals der […] Kinderarzt von beiden und wenn er nicht gewesen wäre, wäre einer von beiden […] nicht weiter am Leben geblieben.“
Sigrid Gramm
Einer der wenigen Hinterbliebenen der Familie Frankenberg ist Dieter Markus, der Großneffe von Minna. Seine Familie fliehen 1948 in die USA und können sich dort ein neues Leben aufbauen. Mit Minna Frankenberg hält die Familie bis zu ihrem Tod Briefkontakt.
